Schwalben sind gern gesehene Gäste in Ställen. Die Zugvögel kündigen Jahr für Jahr nicht nur zuverlässig das Ende des Winters an, sie halten auch die Umgebung frei von lästigen Insekten. Schwalbeneltern verfüttern jährlich rund 250.000 Stechmücken und andere fliegende Plagegeister an ihren Nachwuchs. Damit bilden sie mit Pferdeställe eine ideale Symbiose. Dennoch ist nicht alles eitle Wonne. Seit einigen Jahren sind die Bestände der bei uns heimischen Rauch- und Mehlschwalben rückläufig.
Zunehmend finden die Vögel weniger Platz für den Nestbau, alte Nistplätze werden durch Sanierungen beseitigt, häufig werden die Lehmnester der Schwalben aus Angst vor Verschmutzung durch die Tiere sogar bewusst beseitigt. Das gilt für den städtischen Bereich ebenso wie für ländliche Regionen. Moderne Ställe und Hallen sind oft so abgedichtet, dass die Vögel keine Einflugmöglichkeiten mehr finden. Monokulturen, der Rückgang der Weidewirtschaft und der großflächige Einsatz von Pestiziden haben darüber hinaus zu einem drastischen Rückgang der fliegenden Insekten geführt, sodass den Schwalben schlicht die Nahrungsgrundlage fehlt.
Citizen Scientists gesucht
Um die Bestandssituation von Rauch- und Mehlschwalben besser erfassen zu können, wurde im Frühjahr 2020 das niederösterreichweite SchwalbenNESTwerk gegründet. Durch die Einbeziehung der Bevölkerung des Landes hofft das Team der Österreichischen Vogelwarte, die Bestände besser erheben zu können. „Dabei versuchen wir vor allem größere Kolonien der beiden Vogelarten, wie sie sehr häufig in Reitbetrieben aber auch in Ställen von Privatpersonen vorkommen, zu finden und zu erforschen. Da wir leider nicht überall gleichzeitig sein können um die Schwalbennester zu finden, suchen wir interessierten Pferdefreund*innen, die uns bei unserer Arbeit unterstützen möchten“, sagt Ornithologin Janette Siebert, die das Projekt leitet.
Teilnehmer*innen dieses Citizen Science-Forschungsprojektes können sich innerhalb des SchwalbenNESTwerks mit Wissenschaftler*innen und Gleichgesinnten austauschen. Die Citizen Scientists erhalten detaillierte Informationen über die Brutbiologie der Schwalben, die es ihnen ermöglichen, selbstständig den Brutbestand „ihrer“ Schwalben zu ermitteln.
Gezählt werden sowohl besetzte als auch nicht-besetzte Nester. Über die Anzahl der beobachteten Jungvögel im Nest wird der Bruterfolg erhoben. Längerfristig können die gesammelten Informationen dazu beitragen, Aussagen über Bestandsentwicklungen zu treffen.
Wie werden Sie Teil des SchwalbenNESTwerkes?
Haben Sie Interesse in einem Projekt zum Schutz der Schwalben in Niederösterreich mitzuforschen oder sind Ihnen Standorte mit Schwalbennestern bekannt? Dann melden Sie sich bitte bei Janette Siebert. Für die Mitarbeit erhalten Sie Zugang zur Online Datenbank des SchwalbenNESTwerkes, die Registrierung ist hier möglich. Sollten Sie bereits auf der Plattform www.wildenachbarn.at registriert sein, ist keine Neuanmeldung notwendig!