Charlotte Fry (GBR) und ihr "Flugzeug" Glamourdale sorgten mit ihren spektakulären Galoppverstärkungen und Doppelgold für Aufsehen bei den Weltmeisterschaften in Herning. © � FEI/Leanjo de Koster
Mit ihrer Kür bei den Weltmeisterschaften im dänischen Herning gelang Charlotte Fry etwas, das vor ihr nur eine Handvoll Reiter:innen geschafft hatten – ein Ritt, der die magische 90-Prozent-Marke durchbrach. 90,654 % erzielten die Britin und ihr imposanter Rappe Glamourdale in der WM-Kür unter Flutlicht und sicherten sich damit zum zweiten Mal bei diesem Championat Einzel-Gold. Eine solche Ausbeute hatte ihr zuvor kaum jemand zugetraut. Dabei hatte sich der Erfolg durchaus angebahnt. 2018 waren Fry und Glamourdale die Sieger bei der WM für siebenjährige junge Dressurpferde in Ermelo (NED), drei Jahre später ritt das Paar beim CDI3* in Grote Brogel (BEL) in seiner allerersten Grand Prix Kür zum Sieg – mit über 83 %.
Aber auch ohne dem spektakulären Glamourdale ist Charlotte Fry erfolgreich. Seit 2019 ist sie regelmäßig Teil des britischen Dressurteams bei Championaten, 2021 gab’s bei den Olympischen Spielen in Tokio mit Everdale die erste Medaille: Teambronze. Wenige Wochen später folgte die nächste, diesmal EM-Silber mit der Mannschaft.
2021 gewann Fry außerdem Gold bei der WM der Jungen Dressurpferde, diesmal mit einem weiteren lackschwarzen Bewegungswunder ihrer niederländischen Arbeitgeber Anne und Gertjan Van Olst. Mit Kjento holte sie den Titel bei den Fünfjährigen. 2022 wiederholte sie diesen Erfolg mit dem nun sechsjährigen Negro-Sohn.
Bei der Entgegennahme des Best Athlete Awards sagte Fry: „Der beste Athlet im Jahr 2022 zu sein, ist irgendwie verrückt! Ich muss das erst verarbeiten und bin mir noch nicht sicher, was ich dazu sagen soll, aber es ist unglaublich.“ Ihren Dank richtete Fry vordergründig an Anne und Gertjan Van Olst, die ihr „so viele tolle Möglichkeiten gegeben haben und es mir ermöglichen, jeden Tag Pferde wie Glamourdale zu reiten.“
Der Preis für den besten Groom des Jahres erhielt die Neuseeländerin Kerryn Edmans, die seit sechs Jahren die Pferde der neuseeländischen Vielseitigeits-Power-Paares Tim und Jonelle Price betreut.
Aus dem Eventing-Lager kommt auch die Preisträgerin des Nachwuchs-Awards des Weltreiterverbandes, der FEI Rising Star Award. Die Britin Alice Casburn gilt als eines der herausragenden Talente dieser Disziplin, nur zwölf Monate nach ihrem ersten Turnier auf vier-Sterne-Niveau wagte sie sich bereits an eine fünf-Sterne-Prüfung: Burghley. Dabei gelangen ihr sowohl im Gelände als auch im Parcours zwei hindernisfehlerfreie Runden. Und das im zarten Alter von 21. 2022 gewann sie außerdem Mannschaftsgold und Einzel-Bronze bei den Europameisterschaften der Jungen Reiter. Da haben die Briten für die Zukunft wieder ein ganz heißes Eisen im Feuer.
Die Gewinnerinnen der diesjährigen FEI Awards (v. l. n. r.): Charlotte Fry (GBR), Kerryn Edmans (NZL), Alice Casburn (GBR), Muthoni Kimani (KEN) und Dianne Smith (SA) © Liz Gregg / FEI
Ihren Solidarity Award vergab die FEI in diesem Jahr an das südafrikanische Dressage SA Solidarity Stars Project, eine Initiative, die es sich zur Aufgabe gemacht hat benachteiligten Reitern Unterricht bei Expert:innen und die Chance auf Turnierteilnahmen zu bieten.
Über den Against All Odds Award durfte sich die kenianische Springreiterin Muthoni Kimani freuen. Kimani war im Alter von acht Jahren von einem Auto angefahren worden, als sie mit ihrem Pony unterwegs war. Mit 15 hatte sie erneut einen Reitunfall, der sie mit einem schweren Trauma zurückließ. Trotz dieser negativen Erfahrungen gab Kimani ihren Traum vom Turnierreiten nie auf. Mit Erfolg. Im Oktober 2022 ritt sie in San Giovanni ihr erstes CSI2*-Turnier.