Nur wenige junge Reitschüler:innen bleiben bei der Stange und treten zum Reiterpass oder gar zur Lizenz an. © Gorilla | fotolia.com | stock.adobe.com
Der launige Vortrag wurde nicht nur mehrmals mit spontanem Zwischenapplaus gewürdigt, auch die Analyse der aktuellen Herausforderungen für Reitschulen schien vielen der Anwesenden aus der Seele zu sprechen.
Zwar gebe es, so Täubel-Weinreich, inzwischen sehr viele Angebote für Reitpädagogik, um Kinder schon im Kleinkindalter abzuholen. Doch nur wenige schaffen es von den Ponyzwergen bis zum Reiterpass, geschweige denn bis zur Lizenz. Das liege unter anderem daran, dass Reiten kein einfacher Sport sei. Nach einer Woche Schifahren bewältigen Kinder problemlos den Märchenhang, nach einer Woche Segelcamp steuern sie bei ruhiger See ihre Nussschale von A nach B.
Was aber kann man nach einer Woche Reitunterricht vorweisen? „Das Problem ist, dass Reiten mühsam ist und wir in einer Zeit leben, in der alles schnell gehen muss“, fasst die Referentin zusammen. Zudem kämen immer mehr Kinder mit motorischen Defiziten in die Reitschulen („Man muss ja nur oben sitzen ...“) und die Zahl der leistbaren Reitstunden pro Monat habe sich für viele Familien reduziert. Jene, die bis zum Reiterpass bleiben, satteln dann meist bald auf ein Mitreitpferd oder auf ein eigenes Pferd um, weil im Schulbetrieb selten höher ausgebildete vierbeinige Sportpartner zur Verfügung stehen.
Der Weg ist das Ziel
„Wir müssen vermitteln, dass der Weg das Ziel ist“, so Täubel-Weinreich, die als Voraussetzung speziell für den Kinderunterricht ausgebildete Reitlehrerinnen (z.B. Lehrwart Kinderunterricht) nennt. Wichtige Zwischenetappen seien die Motivationsprüfungen Kleines und Großes Hufeisen aber auch Clubturniere oder PS&S-Veranstaltungen, die vom NOEPS speziell unterstützt werden. Um fortgeschrittene Schülerinnen bei der Stange zu halten, schlägt sie Kooperationen mit Einstellern vor, die ihre Pferde stundenweise für den Schulunterricht zur Verfügung stellen könnten. Für viele unterbeschäftigte Privatpferde kann sich daraus durchaus eine Win-Win-Situation entwickeln.
Pferdespaziergang statt Lamawanderung
Natürlich kommt auch das leidige Thema Geld zur Sprache: Wenn eine Tenniseinheit das doppelte einer Reitstunde koste, könne der Stallbetreiber nicht kostendeckend wirtschaften. Hier bedürfe es einer kühlen und realistischen Kalkulation der Stundenpreise – soweit nichts Neues. Innovativ ist aber der Vorschlag, Stundenpreise nach Angebot und Nachfrage zu staffeln: So könnten etwa Reiteinheiten am begehrten Wochenende teurer sein als unter der Woche. Die wenig gebuchten Vormittage wären wiederum prädestiniert, um interessierte Eltern (wieder) zum Pferd zu bringen. Und sei es nur zum Spazierengehen – schließlich boomen ja seit Jahren Lamawanderungen.
Wir müssen vermitteln, dass der Weg das Ziel ist.
Kein Budget für Schulbetriebe
Vom OEPS selbst gebe es allerdings kein Budget, um Schulbetriebe finanziell zu entlasten, das wird auf eine Publikumsanfrage gleich klargestellt. Doch Doris Täubl-Weinreich ist durchaus der Meinung, dass mehr für die Reitbetriebe getan werden solle, weshalb sie in diesem Zusammenhang die FN-Initiative „100 Schulpferde plus“ vorstellt: Deutsche Schulbetriebe können sich um Unterstützung in Form von Futter, Einstreu oder Ausrüstung, um geförderte Trainer-Ausbildungen und sogar um einen Zuschuss von bis zu 5.000 Euro beim Schulpferdekauf bewerben. Möglich wird diese bemerkenswerte Initiative, die ihre Leistungen alle drei Monate bis zum Jahr 2027 unter ausgelosten Vereinen verteilt, durch zahlreiche Partner aus Pferdesport und Pferdewirtschaft. Da bleibt zu hoffen, dass nicht nur die anwesenden Stallbetreiber dem Vortrag von Doris Täubl-Weinreich gespannt zugehört haben …