Richtig kalkulieren

Was ist eine Reitstunde wert?

Ein Artikel von Redaktion | 02.03.2026 - 11:45
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Pädagogisch wertvoller, pferdefreundlicher und wirtschaftlich sinnvoller als Einzellongen: Junge Anfänger:innen profitieren von Gruppenunterricht in Form von Stationenbetrieb mit Bewegungsübungen, Lernaufgaben und Reiten.  © Lara Simeaner

Den Preis für Reitstunden richtig zu kalkulieren, ist eine schwierige Aufgabe. Einerseits müssen Stallbesitzer beziehungsweise Ausbilder ihren eigenen sowie den Unterhalt der Tiere gewährleisten. Andererseits möchte man aber nicht potenzielle Kunden mit der Preisgestaltung abschrecken. Damit diese Gratwanderung nicht immer zu Lasten der Unterrichtenden geht, müssen sinnvolle Angebote zusammengestellt werden.
 

Was ein Schulpferd kostet

Berechnet man die monatlichen Kosten eines Schulpferdes, denkt man natürlich erst einmal an die Anschaffungskosten, dann an Futter, Wasser, Einstreu sowie Tierarzt und Hufpfleger. Vielleicht bezieht man auch Personalkosten und die eigene Arbeitszeit in die Kalkulation ein.

Wir haben eine genaue Aufstellung gemacht und sind noch auf einige Budgetposten gestoßen: Wasser zum Abspritzen/Waschen, Ausrüstung der Pferde, Anschaffung und Erhaltung der Infrastruktur, Versicherung, Steuerberatung und Strom- beziehungsweise Heizkosten. Zusätzlich darf man mögliche Stehzeiten durch Krankheit sowie die Zeit für Aufzucht, Ausbildung und Betreuung der pensionierten Schulpferde nicht vergessen. Setzt man diesen Betrag in Verhältnis zu der Anzahl an Stunden, die das Pferd monatlich eingesetzt werden kann, ist man meist erstaunt, wieviel eine Reitstunde eigentlich kosten müsste.

Selbst wer auf das Geld nicht angewiesen ist und seine Reitschule nur als Hobby oder Nebenerwerb betreibt, sollte aus Solidarität seine Leistungen zu einem fairen Preis anbieten. Denn mit Dumpingpreisen setzt man die Existenz anderer Betriebe, die vom Unterrichten leben, aufs Spiel!

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© Beranek Images

Welche Modelle sich bewähren

Hat man früher die Anfänger:innen im Longenunterricht einzeln betreut, setzen sich nun immer mehr Modelle durch, bei denen Kinder in Gruppen altersgerecht an das Pony herangeführt werden. Oft wird ein Stationenbetrieb mit Bewegungsübungen, Lernaufgaben und Reiten angeboten. Diese Form ist pädagogisch wertvoller, pferdefreundlicher, vor allem aber wirtschaftlich sinnvoller als Einzellongen. (Longenunterricht hingegen, bei dem mehrere Pferde hintereinander gehen, birgt ein großes Sicherheitsrisiko und ist daher keine Alternative.) Betreut man in diesen Anfängergruppen vier bis acht Kinder pro Einheit, kann man es sich im Fortgeschrittenenunterricht später eher leisten, auf große Abteilungen zu verzichten und die Reiter:innen in Kleingruppen einzuteilen.

Weiters hat es sich bewährt, wenn die Reiteinheiten nur geblockt gebucht werden können, und ein Ausfall auf Kundenseite nicht rückvergütet werden muss. Ähnlich dem Musikunterricht bezahlen die Eltern ein Monat, ein Semester oder ein Jahr im Voraus. Dadurch vermeidet man jeglichen Stress bei Stundenabsagen und kann einen gewissen Zeitraum verlässlich im Voraus kalkulieren. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, die Bedingungen für Storno oder Absagen vertraglich festzuhalten, um Diskussionen zu vermeiden. In Extremfällen sucht man ohnehin nach individuellen Kulanzlösungen.

Wie man seine Preise argumentiert

„Warum ist Reiten so teuer?“ oder „Im Nachbarort kostet die Stunde auch nur 16 Euro!“ – wer kennt diese Vorwürfe von Eltern nicht? Wie kann man sich bei solchen Gelegenheiten sachlich zur Wehr setzen?

Zunächst einmal lässt sich mit dem „Ausrüstungsgegenstand“ Pferd argumentieren: Zum Schikurs muss das Kind auch eigene Schier mitbringen oder eine Leihgebühr bezahlen, lernt es ein Instrument, wird dieses ebenfalls nicht kostenlos zur Verfügung gestellt.

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Eine vielfältige Ausbildung und regelmäßige Fortbildungen kosten - und sollten im Reitstundenpreis adäquate Berücksichtigung finden.  © Sebastian Frank Fotografie

Dann können die oben genannten Kosten in der Pferdehaltung ins Treffen geführt werden. Dabei darf durchaus an den Tierschutzgedanken appelliert werden: Die Pferde sollen es gut haben, genügend Futter bekommen und artgerecht gehalten werden. Außerdem wollen die Eltern doch nicht, dass der brave Willi gleich eingeschläfert wird, nur weil er nicht mehr im Schulbetrieb mitlaufen kann – oder?

Wird die eigene Preisgestaltung mit dem günstigen Tarif der nächsten Reitschule verglichen, sollten mögliche Unterschiede deutlich gemacht werden: Welche Ausbildungen hat man gemacht, was bietet man den Reitkindern in Hinblick auf persönliche Betreuung, Qualität und Sicherheit? Welchen Stellenwert hat das Tierwohl im Betrieb? Je mehr Argumente man in der Tasche hat, desto ruhiger und souveräner lassen sich diese Angriffe parieren.