GESUNDER PFERDERÜCKEN

Was der Trapezmuskel über das Training verrät

Ein Artikel von Eva Schweiger | 28.01.2026 - 13:20
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Pferderücken mit einem schwach ausgebildeten oder sogar deutlich atrophierten Trapezmuskel sind gefährdet. Sie nehmen leicht längerfristig Schaden.  © www.slawik.com

Auf einen Muskel schauen wir bei der Einschätzung des Pferderückens meistens zuerst: den Musculus trapezius, Pars thoracica. So nennt sich der hintere Teil des Trapezmuskels, der das Schulterblatt am Brustkorb aufhängt. Sehen wollen wir seitlich hinter dem Widerrist gutes Muskelvolumen, genauso wie am Hals vor dem Schulterblatt – dort liegt der vordere Teil des Trapezmuskels. Lässt dieser Blick nur einen schwach ausgeprägten Muskel erkennen, vielleicht sogar eine deutliche Mulde, schrillen bei uns meistens die Alarmglocken. Und das ist gut so, denn, so Univ.-Prof. Dr. Theresia Licka, Spezialistin für Pferde-Orthopädie und -Sportmedizin an der Vetmeduni Wien, „solche Rücken nehmen leicht längerfristig Schaden – das ist klar.“

Quo vadis, Trapezius?

„Kilometer machen in natürlicher Halshaltung, das heißt mit langem Hals und dem Genick in etwa auf Widerristhöhe, ist das beste Training für den Trapezmuskel“, erklärt Dr. Licka. Warum? Weil der Muskel mit für die Bewegung der Vorderbeine sorgt, und wenn das Pferd mit viel Fleiß und langen Schritten vorwärtsgeht, hat er ordentlich zu tun.

Ein gesundes Bewegungsmuster kann man schon im Schritt sehen: Am langen Zügel beobachtet man, wie weit die Vorderbeine des entspannt schreitenden Pferdes vorschwingen. Großer Raumgriff spricht für (und erzeugt auch) kräftige und gesund arbeitende Trapezmuskeln.

Wird aber fast nur in starker Aufrichtung gearbeitet und z. B. an höheren Dressurlektionen gefeilt, bekommt der Trapezmuskel auf Dauer schnell zu wenig Trainingsreize und schwindet. „Für das Wachstum eines Muskels ist der Wechsel zwischen An- und Entspannung das Um und Auf. Wenn ein Pferd unter Stress steht oder immer in derselben Haltung trainiert wird, entspannen sich die Muskeln nicht ausreichend.“

Dann verändert sich automatisch auch die Bewegungsform des Pferdes, und ein Teufelskreis kommt in Gang. Dr. Licka betont die wechselseitigen Zusammenhänge: 

Fehlt der Trapezius einmal, ist das Bewegungsmuster bereits verändert, weil das Pferd damit umgehen muss. Mit dieser Art der Bewegung können die Pferde dann aber nur noch schwer gute Rückenmuskulatur aufbauen. Sie bringen zwar durchaus weiterhin ihre Leistung, aber nehmen dabei leicht Schaden.


Univ.-Prof. Dr. Theresia Licka, Spezialistin für Pferde-Orthopädie und -Sportmedizin

Die gesunde Basisausstattung

Angespannte Bewegungsabläufe verhindern leider, so die Expertin, nicht nur das gesunde Wachstum des Trapezmuskels, sondern der Rückenmuskulatur allgemein. „Wenn die gesamte Rückenmuskulatur schwach ist, haben die Pferde eventuell oft schon Stress beim Anreiten gehabt, sich verspannt und
längerfristig Rückenschmerzen bekommen.“

Wie bricht man aus diesem Teufelskreis wieder aus? Mit Spaß! „Das Pferd muss sich bei der Arbeit wohlfühlen und Freude haben, und wenn dann die langen und lockeren Schritte kommen, ist das der beste Weg zur gesunden Muskelverwendung.“ Das gilt für Pferde aller Disziplinen gleichermaßen – und gerade bei sehr spezialisiertem Training sollte die Ganzkörper-Basisarbeit nicht außen vor gelassen werden, rät die Sportmedizinerin

Kilometer machen in natürlicher Halshaltung, das heißt mit langem Hals und dem Genick in etwa auf Widerristhöhe, ist das beste Training für den Trapezmuskel.


Univ.-Prof. Dr. Theresia Licka, Spezialistin für Pferde-Orthopädie und -Sportmedizin

Seine Grundfitness und -körperbeherrschung mit der damit einhergehenden rundum harmonischen Bemuskelung erwirbt das Pferd im Idealfall ganz von selbst durch viel freie Bewegung schon im Fohlen- bis Zweijährigen-Alter. „Besonders wichtig ist das für sehr flexible Sportpferde mit spektakulärer Mechanik, denn je beweglicher der Körper ist, desto mehr Muskeln braucht er. Das ‚g’standene‘, eher feste Pferd hat schon in seinen Knochen, Bändern und Gelenkkapseln mehr Stabilität und ist dafür nicht ganz so stark auf die Muskeln angewiesen.“

Mit einer kräftigen, gesunden Muskel-Basisausstattung ist das junge Pferd dann bestens vorbereitet für alle Situationen, denen es in seinem Sport- oder Freizeitpferdeleben begegnet.
 

Verschiedene Disziplinen, unterschiedliche Bemuskelung

Im Verlauf der Ausbildung wird die Muskulatur im besten Fall gleichmäßig weiter trainiert – beim Freizeit- wie beim Sportpferd. Dass Sportpferde (zusätzlich) eine für ihr spezielles Einsatzgebiet ideal funktionierende Muskulatur entwickeln, ist natürlich.

Beispiel: Während Dressurpferde starke, teils auch voluminöse Muskeln aus schnellen Muskelfasern an für ihre Lektionen wichtigen Körperstellen – Hinterhand, Hals, Bauch – zeigen, die ihnen explosive Kraft verleihen, wirken Distanzpferde meist hager, auf den ersten Blick vielleicht sogar schlecht bemuskelt. Aber für das große Durchhaltevermögen, das sie bringen müssen, sind die langsamen, auf Ausdauer spezialisierten Muskelfasern verantwortlich, die von Natur aus wenig Volumen haben. Dicke Muskelpakete würden aufgrund ihres Gewichts und der Wärmeisolierung außerdem eher die Leistungsfähigkeit der Ausdauersportler verringern.


Abwechslung tut gut

Möglichst viel Abwechslung im Training sowie vielfältige freie Bewegung tut trotzdem jedem Pferd gut, ob Allrounder oder Spezialist. „Ausgiebiger Koppel- und Weidegang, Ausreiten mit lockerer Halshaltung in allen Gangarten, unebene Böden – den Effekt davon sieht man einfach. All das kann wesentlich dazu beitragen, das Pferd langfristig gesund zu halten“ – so Dr. Lickas abschließende Empfehlung.