Abschied

Renate Voglsangs Fürst Ferdinand zur Fasanenhöhe ist nicht mehr

Ein Artikel von Pamela Sladky | 13.04.2026 - 14:27
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Renate Vogslang und Fürst Ferdinand zur Fasanenhöhe © Florian Stuerzenbaum

„Du hast bis zum Schluss gekämpft, aber dann doch verloren gegen eine rasch fortschreitende, seltene Autoimmunerkrankung. Du hattest keine Chance“, schreibt Renate Voglsang in einem bewegenden Abschiedsbrief an ihr langjähriges Sportpartner auf Instagram.

Der 2009 geborene Wallach von Fürst Hohenstein aus einer Pitango-Mutter kam 2015 zu Voglsang. Für die gelernte Pferdewirtschaftsmeisterin war es Liebe auf den ersten Ritt. Körperlich überzeugte der Braune aus der Zucht von Hermann Vodermaier mit herausragenden Grundgangarten, einer enormen Übersetzung und viel Schulterfreiheit. Wenn sich „Ferdi“ in Bewegung setzte, war das einfach nur ein großes Wow. So exaltiert sein Gang, so unkompliziert zeigte sich der Wallach im Umgang. „Ich kann mich draufsetzen und losreiten. Das ist mal ein ganz neues Gefühl. Dabei ist er unkompliziert, wohlerzogen und eine Seele von einem Pferd“, schwärmte Voglsang, die in ihrer Laufbahn auch schon viele schwierige Pferde unter dem Sattel hatte und die umgängliche Art des Braunen in vollen Zügen genoss.

2020 gab das Duo sein internationales Debüt im Grand-Prix-Sport und etablierte sich auf Anhieb im 70-Prozent-Bereich. Es folgten Siege und Platzierungen bis 4*-Niveau. Doch der ganz große und erhoffte Durchbruch blieb aus.

Immer wieder machte sich bei „Ferdi“ eine gewisse Bodenscheue bemerkbar – und die hatte einen triftigen Grund: Eine Linsentrübung am rechten Auge schränkte das Sehvermögen des Wallachs ein. Das Handicap bereitete ihm zunächst körperlich keine Probleme – bis sich das Auge im Jänner 2022 akut verschlechterte. Ein Versuch, die Linse mittels OP zu retten, scheiterte. Im darauffolgenden Frühjahr entschied man sich zusammen mit den behandelnden Ärzten, das Auge ganz zu entfernen.

Geschadet hat der Eingriff Fürst Ferdinand zur Fasanenhöhe nicht. Im Gegenteil: Rund vier Monate später lieferte der Wallach das Turnier seines Lebens. Am Schindlhof in Tirol belegte das Paar zweimal Platz zwei hinter Frederic Wandres; knapp 74 % erzielten die beiden im Grand Prix, knapp 78 % in der Kür.

An diese Hochform konnten die beiden in den folgenden Jahren nicht mehr ganz anschließen. 2024 und 2025 war Fürst Ferdinand international nur jeweils auf einem Turnier zu sehen, zuletzt im Oktober 2025 beim Dressurturnier im Rahmen der Apropos Pferd in Wr. Neustadt.

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© Petra Kerschbaum

Renate Voglsang und Fürst Ferdinand zur Fasanenhöhe: Blindes Vertrauen

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„So gerne hätte ich dir ein schönes Rentnerleben mit deinen Freunden auf der Koppel gewünscht, aber es sollte nicht sein“, schreibt Renate Voglsang, der der Abschied sehr schwer fällt. „Der Stall ist nicht mehr derselbe ohne dich, und auch in mir fühle ich die Leere. Die Lücke, die du hinterlässt, ist groß und spürbar! Zugleich bin ich unendlich dankbar für die Zeit mit dir – für dein Vertrauen, unsere Verbundenheit und die vielen Erinnerungen, die bleiben.

Du hast nicht nur durch deine sportliche Laufbahn beeindruckt, sondern vor allem durch dein Wesen. Deine Sanftheit, dein Vertrauen, dein Kämpferherz und deine außergewöhnliche Gutmütigkeit haben dich zu etwas ganz Besonderem gemacht. Mit deiner ruhigen und zugleich kraftvollen Ausstrahlung hast du mir immer Halt gegeben und mich sicher durch unzählige Momente getragen.

Du wirst das bedeutendste Pferd meines Reiterlebens bleiben und immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben.“