Springen

Sensation in St. Gallen: Katharina Rhomberg führt Österreich zu Platz zwei im Nationenpreis

Ein Artikel von Pamela Sladky | 05.06.2026 - 19:17
5464.jpg

Katharina Rhomberg und Cuma waren einmal mehr die Superstars im österreichischen Team: Zweimal fehlerfrei - das ist im top-besetzten Nationenpreis in St. Gallen insgesamt nur zwei Paaren gelungen! (Archivbild) © CSIO St. Gallen

St. Gallen ist traditionell eine wichtige Standortbestimmung für Österreich. Das gilt 2026 ganz besonders, zumal der Nationenpreis im Gründermoos für die rot-weiß-rote Mannschaft der einzige Probelauf auf Fünf-Sterne-Niveau vor den diesjährigen Weltmeisterschaften in Aachen ist.

Fünf-Sterne-Nationenpreis bedeutet gleichzeitig auch immer: richtig dicke Piste. Mit am Start: alle Nationen, die bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris und der Europameisterschaft 2025 in A Coruña eine Medaille gewonnen haben.

Österreich schickte ein Team ins Rennen, das man sich bei der WM durchaus vorstellen kann. Neben den beiden fixen Größen Katharina Rhomberg und Max Kühner nominierte Elite-Sport-Managerin und Equipe-Chefin Angelika May Bianca Babanitz und Felix Koller. Wolfgang Ötschmaier, der zuletzt mit guten Runden in Rom auf sich aufmerksam gemacht hatte, bekommt in St. Gallen als Einzelreiter die Chance, zu zeigen, was er kann.

Kein Kindergeburtstag

Dass dieser Nationenpreis mit seinen Hindernissen bis 1,60 m Höhe kein Kindergeburtstag werden würde, zeigten bereits die ersten Ritte. Auftaktreiter Ben Maher kam nach einer Verweigerung seines 14-jährigen Holsteiners Catelly an der Mauer mit 19 Strafpunkten ins Ziel, Marcus Ehning (GER) und Coolio kassierten nach einer tollen Runde einen Abwurf, Frankreichs Auftakt-Mann Edward Levy und Griss de Kerglenn wurden mit den Bedingungen so gar nicht warm und sammelten auf ihrem Weg durch den Parcours sogar 33 Strafpunkte.

Gleich im Anschluss ritt Felix Koller mit Cossinelle ins Stadion. Das Paar hat nach tollen Leistungen im ersten Quartal zuletzt etwas Pech – leider auch heute. Die beiden begannen stark. Trotz eines Vorhandfehlers am Einsprung zur dreifachen Kombination kamen sie nicht aus dem Rhythmus und meisterten die Schwierigkeiten des anspruchsvollen Parcours gut. Alles sah nach einer guten Vier-Fehler-Runde aus – bis ausgerechnet am Schlussoxer doch noch eine Stange fiel.

Bianca Babanitz hat heuer bereits einen Nationenpreis für Österreich bestritten – in Mannheim steuerte sie mit Dakato eine Nullrunde zum rot-weiß-roten Ergebnis bei. In St. Gallen durfte nun der 13-jährige I Will Be Famous seine Qualitäten als Teampferd beweisen. Und die hat er zweifellos. Den möglichen Nuller des burgenländischen Duos vereitelte der vorletzte Sprung – davon abgesehen war das ein toller Ritt, den die beiden bei ihrem Debüt als Paar in einem Fünf-Sterne-Nationenpreis zeigten.

52119869986_0e8937a861_k.jpg

© Longines CSIO St. Gallen | Katja Stuppia

Cuma und Rhomberg eiskalt

Nullrunden waren in diesem ersten Durchgang rar gesät. Nur sechs Paare behielten ihre weiße Weste. Katharina Rhomberg und Cuma waren eines von ihnen. Vom ersten Sprung weg präsentierte sich das Erfolgs-Duo in bemerkenswerter Souveränität, nie hatte man das Gefühl, dass es irgendwo eng werden könnte. Und das wurde es auch nicht. Noch über dem Schlussoxer stahl sich ein breites Grinsen auf Kathi Rhombergs Gesicht, das sich Sekundenbruchteile später durch den Jubel des Publikums noch verstärkte.

Schlussreiter Max Kühner hatte danach die Möglichkeit, sein Team auf die Spitzenposition zu reiten. Das gelang ihm nicht ganz. Im Sattel seiner elfjährigen Westfälin Count on Me, mit der er heuer schon einige gute Ergebnisse auf Top-Niveau erzielen konnte, kassierte der 52-Jährige leider einen Fehler. Das Teamkonto erhöhte sich damit auf acht Fehlerpunkte – ein absolutes Top-Ergebnis für die österreichische Equipe, die sich damit punktgleich mit den USA und der Schweiz auf Platz drei hinter Belgien und Großbritannien schob.
 

Vier Fehler statt Null – und trotzdem stark

In Runde zwei legte Felix Koller mit Cossinelle für Österreich gut vor. Die Dreifache war diesmal kein Problem für das Paar, souverän nahmen sie ein Hindernis nach dem anderen. Der Nuller war bereits zum Greifen nah, bis sich am drittletzten Sprung doch noch eine Stange verabschiedete. Man muss kein erfahrener Lippenleser sein, um zu erahnen, welches Wort mit Sch … Felix Koller nach dem Überqueren der Ziellinie entschlüpft ist. „Schade“ war’s nicht – auch wenn es gepasst hätte.

„Schade“ hätte man in großen Lettern auch über den Ritt von Bianca Babanitz drucken können. Wie in der ersten Runde legten die Burgenländerin und der niederländische Wallach aus dem Besitz des Gestüts Sprehe frech und mit viel Selbstvertrauen los. Die Taktik ging bis zum SRF-Sport-Oxer auf, an den das Paar einfach zu dicht dran kam; der Abwurf war die logische Konsequenz. Danach blieben alle Stangen liegen – plus vier Fehlerpunkte für Team Österreich.


(Fast) Perfektes Finish

Alle Trübsal über mögliche, aber verpasste Nullrunden war vergessen, als Kathi Rhomberg und Cuma den nächsten fehlerfreien Ritt ins Stadion zauberten. Dieses Kunststück sollte außer der Vorarlbergerin nur dem Schweizer Jason Smitz mit Picobello van’t Roosakker gelingen. Was für ein Erfolg für Rhomberg, die einmal mehr ihre eindrucksvolle Konstanz in diesem Jahr bestätigte.

Max Kühner und Count on Me zeigten in Runde zwei erneut einen Top-Ritt mit nur einem Abwurf. Damit schloss Team Österreich bei 16 Punkten – ein Ergebnis, das dem heimischen Quartett zunächst Rang drei sicherte. Dass am Ende der zweite Platz daraus wurde, lag an Großbritanniens Schlussreiter Jack Whitaker, der mit Jack JL zwei Abwürfe kassierte und das britische Punktekonto auf 17 Zähler erhöhte, was letztlich Rang drei bedeutete.

Sehr zur Freude des Publikums ging der Sieg an die Mannschaft aus der Schweiz. Nachdem die Auswahl von Equipechef Peter van der Waaij im ersten Umlauf mit acht Fehlern unter den Erwartungen geblieben war, drehten Martin Fuchs mit Lorde, Jason Smitz mit Picobello van’t Roosakker und Steve Guerdat mit Albfuehren’s Iashin Sitte im zweiten Umlauf richtig auf, blieben fehlerfrei an den Hindernissen und verbuchten lediglich einen Zeitfehlerpunkt. Alain Jufers Zwölf-Fehler-Ritt auf Dante MM ging als Streichergebnis nicht in die Wertung ein.

55316632690_9eb4e549d4_k.jpg

Angelika May, Katharina Rhomberg, Max Kühner und Bianca Babanitz (v. l.) beim Einmarsch der Nationen. Startreiter Felix Koller saß da bereits am Pferd. © CSIO St. Gallen

Die Freude über den unerwarteten, aber umso schöneren Erfolg war den Österreichern bei der Siegerehrung vor dem jubelnden Publikum deutlich anzumerken. Katharina Rhomberg, Max Kühner, Bianca Babanitz und Felix Koller holten im Gründermoos das beste Resultat, das einer österreichischen Equipe jemals im Nationenpreis der Schweiz gelungen ist. Ein großartiges Ergebnis – und ein Motivationsschub für den heimischen Springsport, der in der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften in Aachen genau zur richtigen Zeit kommt.

"Ich bin so stolz auf mein Team! Kathi, Max, Bianca und Felix haben heute alle  Erwartungen übertroffen. Auch wenn uns manches Mal das letzte Quäntchen Glück gefehlt hat, haben alle schöne Ritte gezeigt. Ich bin mehr als zufrieden", resümierte Angelika May den erfolgreichen Tag in der Schweiz.

Endresultat CSIO5* St. Gallen

1. Schweiz – 9 Punkte (8 + 1)
2. Österreich – 16 Punkte (8 + 8)
3. Großbritannien – 17 Punkte (6 + 11)
4. Belgien – 18 Punkte (4 + 14)
5. USA – 20 Punkte (8 + 12)
6. Deutschland – 22 Punkte (12 + 10)
7. Irland – 27 Punkte (12 + 15)
8. Brasilien – 32 Punkte (20 + 12)

Alle Ergebnisse im Detail gibt es hier.