Vielseitigkeit

Gelungenes Aachen Debüt für Lea Siegl

Ein Artikel von Ernst Kopica | 02.07.2022 - 14:22
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Lea Siegl und Fighting Line haben sich im schweren Gelände in Aachen hervorragend behauptet.
© holcbecher.com

Den Sieg holte sich nach einer spannenden und anspruchsvollen Geländeprüfung mit vielen Ausfällen und Fehlern die Deutsche Sandra Auffahrt (Viamant du Matz) vor dem Australier Andrew Hoy (Vassily de Lassos) und dem Briten Tom McEwen (Toledo de Kerser).

Michael Jung, den man erst noch als Sieger gefeiert hatte, wurde auf Rang acht zurückgereiht. Der Grund: Eine gründliche Videoanalyse durch das Richtergremium hatte ergeben, dass Jung und sein Toppferd fischerChipmunk FRH auf der Geländestrecke das sehr schmale Hindernis 14 nur halb erwischt hatten. Nachträglich wurden ihm für eine „missed flag“-Fehler 15 Strafpunkte hinzuaddiert.  

Großes Lob

Auch für Siegl gab es hier in Aachen Licht und Schatten, eine fehlerfreie Dressur und ein souverän absolvierter Cross-Country-Kurs wurden nur durch zwei Abwürfe im Springen, das in der riesengroßen Arena ausgetragen wurde, getrübt. Dennoch hat sie sich mit dieser Vorstellung seit ihrem 15. Platz bei den Olympischen Sommerspielen des Vorjahres erneut in der vordersten Linie des Eventing-Sportes etabliert.

Thomas Borgmann, der Doyen der deutschen Pferdesportjournalisten, der als enger Vertrauter von Manfred Jung und Kenner der Vielseitigkeitsszene gilt, zollte der rot-weiß-roten Reiterin in Aachen hohes Lob:

„Technisch perfekt, wie sie reitet!“


Thomas Borgmann, Doyen der deutschen Pferdesportjournalisten

Und dass sie beim Konzert der Großen auch im Mediencorner bereits ein Vollprofi ist, zeigte sie bei ihrem Pferderevue-Interview am Rande des Absattelplatzes.

Es war dein erster Ritt hier in Aachen und man sagt ja oft, dass es etwas Besonderes ist, hier zu starten. Wie fandest du es?

Richtig cool! Das ist schon ganz was Anderes, ganz Besonders wenn man in das große Stadion einreitet und auch auf der Strecke. Die Leute klatschen und feuern einen an, auch wenn man nur vorbeireitet. Diese Stimmung ist einzigartig in Aachen.

Und wie beurteilst du dein sportliche Ergebnis, mit der Dressur konntest du ja zunächst zufrieden sein?

Es hat eigentlich in der Dressur sehr gut begonnen. Allerdings bekam ich einen sehr frühen Startplatz und da waren die Richter noch besonders streng. Da hätten sie mir ruhig mehr Punkte geben können, denn ich war sehr zufrieden. Vorher hatte ich nämlich Bedenken gehabt, dass Fighti sich von der Kulisse beeindrucken lässt, denn dann geht er nicht so gerne ruhig im Schritt. Aber er blieb wirklich gelassen und lieferte eine Superdressur. Wenn er das nächste Mal wieder so geht, dann passt es auch mit den Punkten.

Und was passierte dann im Springparcours?

Das Springen ist normalerweise unsere Stärke, darum waren die zwei Abwürfe etwas enttäuschend. Das war für ihn sehr untypisch, dadurch bin ich auch im Klassement nach hinten gerutscht. Daher habe ich schon am Freitag beschlossen zwar im Gelände zu reiten, aber nicht mehr Vollgas zu geben. Ich weiß ja, dass Fighti sehr schnell ist und wenn ich will, läuft er locker in die Zeit. Aber das hätte mir hier nicht mehr viel geholfen, da der Abstand zur Spitze durch die Fehler im Springen schon zu groß war.

Dennoch konntest du mit dem Ritt auf der Geländestrecke zufrieden sein. Die Hindernisse schienen sehr tricky und es gab keinen einzigen Ritt in der erlaubten Zeit. Wie lief es für dich?

Ich muss sagen, es war tatsächlich ein sehr schweres Gelände. Eines der schwersten, das ich je geritten bin. Viele Aufgaben, die hohe Konzentration erforderten und bis zum Schluss sehr viele technische Schwierigkeiten. Extrem schmal, extrem schräg. Darum freute es mich, dass ich das heute reiten konnte und es so gut bewältigt habe. Ich wollte sehen, wie er auf die Schwierigkeiten reagiert und er hat das toll gemacht.

Wie sieht die weitere Saisonplanung für Fighting Line aus?

Dadurch, dass er heute so gut lief und auch in Wiesbaden in einem starken Starterfeld Dritter war, werden wir wahrscheinlich bis zur Weltmeisterschaft im September in Italien in keiner Vielseitigkeit mehr an den Start gehen. Fighti ist 15 Jahre, er weiß worum es geht. Jetzt werden wir uns aufs Springen konzentrieren und vielleicht in ein paar Springturnieren starten. Aber im Gelände werde ich ihn bis Pratoni schonen.

Du hast ja mit deinem sensationellen Olympia-Auftritt auch in den Medien für ein Ausrufezeichen gesorgt. Bist du in diese Rolle langsam hineingewachsen oder war Tokio ausschlaggebend?

Das hat sich nicht langsam entwickelt. Tokio war der Knackpunkt, seit Olympia ist das Medieninteresse enorm. Und auch nachher hat dieser Rummel nicht mehr nachgelassen. Manchmal ist es zwar stressig, wenn man zum Beispiel vor dem Start noch ein Interview geben soll, aber ich kann mich dann wieder gut konzentrieren und finde das insgesamt cool und mache das gerne!

Danke für das Gespräch und viel Erfolg!

Update 2.7., 20:37 Uhr: In einer früheren Version dieses Beitrages hatten wir Michael Jung als Sieger angeführt und Lea Siegl als 21. - wie es zu diesem Zeitpunkt in den Ergebnislisten auch ausgewiesen war. Durch Juryentscheidungen haben sich einige Positionen im Nachhinein noch verändert.