Neues Forschungsprojekt

Wenn Pferde selbst mitentscheiden

Ein Artikel von Redaktion | 27.01.2026 - 14:29
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Was möchte das Pferd? © Image by Rebecca Scholz from Pixabay

Viele von uns sind überzeugt, ihr Pferd gut zu kennen. Wir meinen, seine Signale zu lesen, seine Bedürfnisse zu spüren. Doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass dieses Selbstbild nicht immer der Realität entspricht. Über Jahrhunderte hinweg wurden Pferde trainiert, geritten und ausgestattet – Entscheidungen traf der Mensch, im besten Fall wohlmeinend, im schlechtesten Fall ohne Rücksicht auf den vierbeinigen Partner.

Heute wird der Umgang mit Pferden zunehmend kritisch hinterfragt. In dieser Zeit reicht gutes Wollen allein nicht mehr aus. Das schwedisch-norwegische Projekt "HorseVoice" setzt genau hier an – mit dem Versuch, Pferden eine Form von Mitbestimmung zu ermöglichen.
 

Kommunikation mithilfe von Symbolen

Im Zentrum steht die sogenannte "Symbolmethode". Pferde lernen dabei, auf Fragen mit Symbolen zu antworten. Bereits 2014 zeigte eine norwegische Studie, dass Pferde abstrakte Symbole verstehen und zuverlässig nutzen können – etwa um zu sagen, ob sie nach dem Training eine Decke tragen möchten. Das Ergebnis war deutlich: Pferde können entscheiden. Und sie tun es.

Doch HorseVoice interessiert sich nicht nur für das Was, sondern vor allem für das Was macht das mit uns? Denn wenn ein Pferd antwortet, verändert sich die Beziehung. Der Mensch achtet nicht mehr nur auf Signale, er fragt aktiv – und er muss mit der Antwort umgehen.


Wer fragt, beginnt anders zu denken 

Studierende aus Norwegen und Schweden trainieren im Rahmen des Projekts ihre eigenen Pferde in dieser Kommunikationsform. Sozialwissenschaftler begleiten sie und untersuchen, ob sich dadurch auch die Haltung der jungen Pferdemenschen verändert. Wer fragt, beginnt in der Regel anders zu denken – über Verantwortung, über Vorbilder und über den eigenen Umgang mit dem Pferd.

Vielleicht liegt darin der größte Wert des Projekts: nicht in der Antwort auf eine einzelne Frage, sondern in der Verschiebung der Perspektive. Weg vom Pferd als Sport- und Freizeitpartner, der gemäß unseren Wünschen zu funktionieren hat, hin zu einem fühlenden Individuum mit eigenen Präferenzen.

Langfristig soll ein Handbuch entstehen, das die Methode für die Praxis zugänglich macht. Ab 2026 werden weitere systematische Befragungen folgen. Die Forscherinnen und Forscher warten gespannt – auf die Antworten der Pferde. Und auf die ihrer Menschen.

Über HorseVoice

Das Projekt mit dem offiziellen Titel „Giving the Horse a Voice – Horse Welfare and Owner Awareness“ wird von der Schwedisch-Norwegischen Stiftung für Pferdeforschung gefördert. Beteiligt sind unter anderem das Norwegische Institut für Bioökonomie (NIBIO), das Norwegische Veterinärinstitut, Ridskolan Strömsholm sowie die Universität Malmö. Ergänzt wird das Team durch erfahrene Tiertrainer und Verhaltensforscher. Mehr dazu unter nibio.no