Kugelrund – so sehen manche Pferde leider nicht nur aus wenn sie trächtig sind, sondern in immer mehr Fällen auch wenn sie nicht in anderen Umständen sind. Dass das auf Dauer nicht gesund ist, ist kein Geheimnis, aber viele Pferdebesitzer:innen reagieren dennoch zu spät und wissen oft nicht, wie man das Pferd am besten beim Abnehmen unterstützt. Dass man aber mit relativ einfachen Mitteln schon gute Erfolge erzielen kann, zeigen unsere sechs Leserinnen, beziehungsweise deren Pferde.
Optimierte Fütterung
Bedingt durch meine damalige Haltung im Offenstall inklusive 24-Stunden-Heu-Buffet hat mein Haflinger Merlin (23) über die Jahre langsam, aber stetig zugenommen. Das Ergebnis war leider eine sehr langwierige und schmerzhafte Hufrehe. Das war der Wendepunkt, und die Abnehm-Reise begann. Bedingt durch die Hufrehe und deren Auswirkungen musste ich diese ohne zusätzliche Bewegung und rein durch Futteroptimierung umsetzen: Nach Berechnung der optimalen Futterration nach Zielgewicht reduzierte ich Schritt für Schritt die Heumenge, wobei ich ein Viertel davon durch Stroh ersetzte. Um den
Magen zu schützen, achtete ich darauf, dass immer Knabberäste zur Verfügung stehen und die Fresspausen nicht länger als drei bis vier Stunden andauern. Der Stoffwechsel wurde durch Ergänzungs-
futtermittel angekurbelt. Insgesamt hat es ca. zwei Jahre gedauert, bis er seine heutige Form erreicht hatte (ca. 100 Kilo weniger). Es ist sehr wichtig, dass man geduldig bleibt und die Schritte langsam, aber sicher umsetzt.
Heidi Huber
Wehret den Anfängen
Die zweijährige Connemara-Mix-Stute kam mit deutlich zu viel auf den Rippen zu mir. Der Verlust von ca. 50 Kilo (gewogen!) im Laufe eines guten halben Jahres wurde über eine Fütterung aus Netzen (auch Stroh) und Portionsweide im Sommer erreicht. Beigetragen hat auch die vorsichtig gesteigerte Bewegung als Handpferd und bei Spaziergängen, in die Klettern, Bodenarbeit und Trabsequenzen eingebaut wurden. Im Alter von vier Jahren war sie beim Anreiten nicht nur längst idealgewichtig, sondern auch geländesicher, trittsicher, gut bemuskelt und bereits auf viele Anforderungen als Reitpferd vorbereitet. Heute, mit 21, ist sie immer noch leichtfuttrig, war aber durch ausreichend Arbeit stets im idealgewichtigen Bereich zu halten.
CG
Krank übernommen
Die Stute hatte mit acht Jahren bereits mehrere schwerwiegende Reheschübe über einen Zeitraum von vier Jahren an allen vier Hufen erlitten. Sie war stark übergewichtig (BCS 8–9), wurde nicht gearbeitet und lebte in einem Offenstall mit 24/7-Heu- und -Weidezugang. Als ich anfing, die Stute zu betreuen, war es wichtig, zuerst die vernachlässigten Hufe zu bearbeiten, bevor über die zum damaligen Zeitpunkt mögliche Bewegung Gewicht reduziert werden konnte. Denn an der Haltung ließ sich über ein Jahr lang nichts ändern. Mit Hufschuhen und entsprechend ausgewählten Wegen konnte das Pferd in dieser Zeit zu Fuß oder als Handpferd soweit vorbereitet werden, dass Reiten möglich wurde. Die Gewichtsabnahme war dann kein Problem mehr. Nachdem ich sie übernommen hatte und wir umgezogen waren, wurden das Anweiden sowie die Wechsel von abgefressenen auf frische Koppeln mit Fressbremse bewältigt, und für die Integration in die neue Herde gab es am Anfang für ein paar Stunden Hufschuhe.
Carmen Moosmüller
Mit professioneller Hilfe
Tarco bekam schon in jungen Jahren die Diagnosen Knochenwucherung im Kniegelenk, Zyste im Knie und PSSM1. Er wurde nie geritten und ist mit den Jahren immer dicker geworden. Dank meines super Hufbearbeiters blieb er neun Jahre lang am Laufen. Vor zwei Jahren habe ich allerdings bemerkt, dass das Übergewicht seine Gelenke zunehmend belastete. Ende vergangenen Jahres wusste ich dann nicht mehr weiter und habe mir professionelle Hilfe gesucht: Sascha Benjamins, spezialisiert auf Reha-Projekte, unterstützte Tarco mit speziellen Supplementen, Kräuterkuren, Ölen und natürlich Bewegungs-
übungen (equineappliedanatomy.com). Er begann abzunehmen, sah besser aus, das Funkeln in seinen Augen kam zurück. Nun sind acht Monate vergangen und ich habe ein fröhliches und fitteres Pferd, das vor Lebenslust strahlt. Ich muss ehrlich sagen: Auch als Besitzer muss man an sich selbst arbeiten, um
sein Pferd aus so einen Zustand herauszubekomme. Ich kann jedem nur empfehlen, sich professionelle Hilfe zu suchen, um aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Durch den immer wieder guten Zuspruch von Sascha und meinem Hufbearbeiter haben wir es bereits weit geschafft.
Dajana Jager
Schneller als gedacht
Im Dezember 2022 bekam mein heute zwölfjähriger Haflinger einen zum Glück nur leichten Reheschub. Der Auslöser war schnell gefunden: zu viel Zucker im Heu. Anstatt wie seit Jahren 24/7 Heu zur Verfügung zu stellen, wurde das Heu nun abgewogen. Damit nicht zu lange Fresspausen entstanden, bauten wir Heukisten, die mit einer Zeitschaltuhr ausgestattet wurden. Das Maß an Bewegung ist gleichgeblieben. Vielleicht hat er so sogar zu schnell abgespeckt – bis Mai 2023 waren es 80 Kilo
weniger, sodass er sogar auf die Wiese durfte. Ich habe das Glück, dass mein Heubauer Heu mit nur vier Prozent Zucker produziert hat. Das Heu, das für uns bestimmt ist, lasse ich außerdem jedes Jahr analysieren. Unsere Pferde stehen das ganze Jahr über im Offenstall, und im darauffolgenden Winter
haben er und die Stute, mit der er zusammensteht, bei acht bis zehn Kilo Heu pro Tag (wie es empfohlen wird) dann zu stark abgenommen. Im kommenden Winter, wenn es wieder kalt wird, werden wir ihnen nun zwölf bis 14 Kilo Heu pro Pferd geben. So sollten sie ihr Idealgewicht halten können.
Annette Hoekstra
Auf dem Weg
Der 14-jährige Kleinpferd-Wallach hat Spat. Bewegung zum Abnehmen war bisher schwierig, weil er nicht in schneller Gangart longiert werden soll und starke Steigungen für seine Sprunggelenke ungünstig sind. Im Schritt im ebenen Gelände kann er unbegrenzt bewegt werden. Lange Spaziergänge waren also immer möglich. Zum Abnehmen wurde auf abgewogene Heunetze umgestellt und eine Fressbremse für die Weide angeschafft. Da er sich das Übergewicht im Offenstall mit Heu und Gras ad libitum angefressen hatte, fiel die Entscheidung außerdem für eine Umstellung in eine Paddockbox. Jeden Tag gibt es je nach Wetterverhältnissen drei Stunden Auslauf mit anderen Wallachen oder einige Stunden Weidegang. Auf dem Reitplatz wird nun jeden zweiten Tag Bodenarbeit gemacht und einmal wöchentlich ein bis zwei Stunden im Gelände geführt. Da sein Spat inzwischen gut verknöchert ist und der Wallach kaum noch Beschwerden hat, wird er unter dem Sattel vorsichtig wieder auftrainiert. Er hat bereits deutlich abgenommen und wiegt derzeit 440 kg, laut Tierarzt muss er für einen idealen BCS unter 400 kg kommen. Um die Erfolge zu dokumentieren, wird er regelmäßig gewogen und sein Brust- und Bauchumfang gemessen.
CG (Name der Redaktion bekannt)