Studie

Alte und lahme Pferde legen sich ebenso schlafen wie junge und gesunde – sofern das Umfeld passt

Ein Artikel von Pamela Sladky | 09.11.2021 - 16:45
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Pferde, die Probleme mit dem Aufstehen haben, kann ein abschüssiger Liegeplatz im Auslauf helfen. 
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Erwachsene Pferde verbringen täglich zwischen zweieinhalb und fünf Stunden mit Schlafen, 80 % dieser Zeit wird im Stehen geruht. Die sogenannte Spannsägenkonstruktion sorgt dafür, dass für den Schlaf im Stand kaum Muskelanspannung aufgewendet werden muss, weshalb in dieser Haltung sogar Tiefschlaf möglich ist.

Ganz ohne Hinlegen geht es trotzdem nicht, denn der für viele Regenerationsprozesse essenzielle Traumschlaf – auch REM-Schlaf genannt – klappt nur im Liegen. Täglich sind zumindest 30 Minuten REM-Schlaf nötig, damit das Pferd einen vollständigen und auch nachhaltig erholsamen Schlafzyklus erreicht. Gibt es hier Defizite, lassen negative Auswirkungen nicht lange auf sich warten. Pferde mit REM-Schlafmangel kollabieren und stürzen häufig, sind energielos und/oder besonders schreckhaft und in ihrem Leistungsvermögen deutlich eingeschränkt.

Bislang war man davon ausgegangen, dass vor allem alte Pferde und Pferde mit Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates anfällig für Schlafmangel sind, weil es mit dem Hinlegen oder Aufstehen nicht (mehr) so gut klappt. Eine wissenschaftliche Bestätigung für diese Annahme gab es jedoch nicht. Und sie steht auch weiterhin aus, denn die Beobachtungen eines Forscherteams der Vetmeduni Vienna wiederlegen diese These eher, als dass sie sie untermauern.

„Interessanterweise beeinflussten weder Alter noch Lahmheit aufgrund einer chronischen orthopädischen Erkrankung die Liegezeit in unserer Studie signifikant“, bestätigt Studienautorin Szofia Kelemen, die zusammen mit ihren Kolleg:innen das Schlafverhalten von 83 Pferden unterschiedlichen Alters und Gesundheitszustandes untersuchte. Die Liegezeiten reichten von 0 bis 319 Minuten pro Tag, durchschnittlich verbrachten die Studienpferde 67,4 Minuten entweder flach ausgestreckt in der Seitenlage oder in der eingerollten Bauchlage mit eingeschlagenen Beinen. Dabei machte es keinen nennenswerten Unterschied, ob die Pferde sechs oder 30 Jahre alt, kerngesund oder körperlich beeinträchtigt waren.

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Was die Forscher:innen allerdings beobachten konnten: Gehandicapte Pferde legten bisweilen ein erstaunliches Geschick an den Tag, um ihrem Ruhebedürfnis nachkommen zu können. So habe beispielsweise ein Pferd, das wegen schwerer Arthrose in beiden Karpalgelenken Probleme mit dem Aufstehen hatte, einen Liegeplatz auf einem abschüssigen Bereich der Weide aufgesucht, um leichter wieder hochzukommen.

Dieser Fall zeigt deutlich, dass alte und beeinträchtigte Pferde vor allem eines brauchen: eine Umgebung, die ihren Bedürfnissen entspricht. Ist diese gegeben, schlafen sie ebenso gerne und ausgiebig wie fitte Fünfjährige.